Veranstaltungen

+ + + Große Freiheit Nr. 43 – St. Joseph by night
Samstag, 19. Mai, 21.00 – 24.00 Uhr St. Joseph, Große Freiheit Musik, Impulse – Stille, Gebet und Begegnung Mehr: www.st-joseph-altona.de

+ + + Wallfahrt nach Dreilützow
Freitag, 8.Juni – Sonntag, 10.Juni 3. Wallfahrt der Studierenden des Nordens nach Dreilützow Katholische Hochschulgemeinde Info und Anmeldung unter: www.khg-hamburg.de

+ + + Internationales Kinderchorfestival
Samstag, 9. Juni, 19.30 Uhr St. Sophien Chöre aus Ungarn und Deutschland Leitung: Clemens Bergmann Eintritt. 10 Euro Mehr: www.sanktsophien.de

+ + + Eröffnung der „Brücke“
Ökumenisches Forum in der HafenCity Montag, 18. Juni ab 13.00 Uhr ganztägig HafenCity, Shanghaiallee 12-14 Mehr: www.oekumenisches-forum-hafencity.de



Das Auge, mit dem ich Gott sehe...

Im Gespräch: Pater Thomas Krauth

In der katholischen Kirche Sankt Sophien in Hamburg-Barmbek befasst sich die Gruppe „Mystik-Spirit“ mit dem dominikanischen Theologen und Philosophen Meister Eckhart (1260-1326). Ein Gespräch mit Pater Thomas Krauth (51), Prior des Dominikanerklosters und Pfarrer der Gemeinde.









Das Auge, mit dem ich Gott sehe, ist dasselbe, mit dem mich Gott sieht

Katholisch in Hamburg: Pater Thomas, was hat ein Mönch aus dem Mittelalter uns heute zu sagen?

Pater Thomas: Wenn wir Eckharts Predigten und Texte alle zwei Wochen zusammen lesen, merken wir: er hat Wesentliches zu sagen. Obwohl er voll im städtischen Leben stand als Seelsorger, Prediger, Ordensoberer und Theologie-Professor in Paris, lebte er gerade in seiner Aktivität eine innere  Abgeschiedenheit: eine bindungslose Bindung, dank seiner Gottverbundenheit. Der Mensch bindet sich leicht an alles Mögliche: Gedanken, Gefühle, Erlebnisse, Menschen, Gruppen. Firmen versuchen, Menschen durch Werbung an sich zu ziehen, betreiben Kundenbindung. Doch allein, wer sich bindet an Gott, der Liebe ist, lebt befreit. Eckhart kann LASSEN, was unfrei macht. Er lebt die innere Abgeschiedenheit, indem er sich mit Nichts identifi ziert.

KiHH: Was heißt das konkret?

Pater Thomas: Mit Hirn und Herz, mit Leib und Seele religiös (religare =  rückbinden), das heißt, Gott verbunden zu leben. Gott voll kommen und lebendig werden zu lassen in der Selbst- und Nächstenliebe. Und das kann etwa für Eltern heißen, dass ihre Kinder auch (!) ihre Kinder sind, weil sie vor allem Kinder Gottes sind. Viele Beziehungen und Ehen sind mit sich selbst überlastet. Viele können sich nicht lösen aus der Mutter-, Vater- oder Familienbindung, bleiben also emotional kleben, kommen nicht los davon, dass sie vielleicht jemand beleidigt hat. Bleiben in der Vergangenheit unerlöst hängen, weil jemand zum Beispiel ihr berufl iches Fortkommen verhindert hat. Doch Gott ist die Lösung für jeden, der sich an IHN bindet!

KiHH: Heute gibt es zahllose Heilslehren und spirituelle Angebote. Wie grenzt sich die „Mystik-Spirit“-Gruppe davon ab?

Pater Thomas: Eine Abgrenzungsidentität ist immer eine schwache Identität, also: nur zu betonen, dass man kein Buddhist oder Moslem ist, wäre für einen Katholiken äußerst schwach. Vielmehr geht es darum, innerlich leer zu werden, um vom Gott Jesu Christi erfüllt zu leben. Es geht um die Mystik der offenen Augen und der engagierten Gelassenheit in einer der Welt zugewandten und sozial-kommunikativen Haltung.

KiHH: Bei der „Nacht der Kirchen“ hat Ihre Gemeinde auch in diesem Jahr wieder eine „Mystische Nacht mit Meister Eckhart“ organisiert. Warum immer er?

Pater Thomas: Für uns ist Meister Eckhart mit seinem Leben und seinen Predigten ein guter „Öffner“, mit dem wir die göttliche Wirklichkeit uns und anderen eröffnen. Wir laden Menschen ein, sich einzulassen auf das, was uns bewegt, und verbinden Tradition und Innovation glaubensästhetisch in der liturgischen  Mystischen Nacht.

KiHH: Eines Ihrer Lieblingszitate von Meister Eckhart?

Pater Thomas: „Das Auge, mit dem ich Gott sehe, ist dasselbe, mit dem mich Gott sieht.“ In vielen Kirchenist das „Auge Gottes“ in einem Dreieck dargestellt. Manche Menschen sehen darin eine Art „big brother is watching you“, die Überwachungskamera. Doch es zeigt das milde Auge des barmherzigen Gottes, das alles sieht, aber alles schon vergeben hat. Wenn ich mich ganz auf IHN einlasse, sehe ich IHN so und bin mit IHM eins. „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen …, damit sie eins sind wie wir“, (Joh. 17,11), bittet Jesus. Diese Mystische Einheit gilt es ebenso religiös wie ökumenisch zu kultivieren, damit Einheit in und zwischen den Religionen und Konfessionen werden kann.