Einfach für die Menschen da sein

Gespräch mit Obdachlosenseelsorger Herbert Wolf

Herbert Wolf in seinem Büro auf St. Pauli. Seine Tür steht immer offen. Foto: Istel

Herbert Wolf ist Seelsorger für Obdachlose in der Alimaus, dem Hilfsverein St. Ansgar, einem Hilfsprojekt für mittellose Menschen. Jeden Tag werden in dem finnischen Blockhaus bei St. Pauli gut 500 Gäste beköstigt. Zum Angebot der Alimaus gehören neben der Essenausgabe eine Kleiderkammer, medizinische Hilfe und das diakonische Büro, in dem sich Herbert Wolf Zeit für die Anliegen und Sorgen der Gäste nimmt. Die Alimaus lebt vom Engagement der vielen ehrenamtlichen Helfer. Weitere Helfer werden nach wie vor gesucht.

Katholisch in Hamburg: An wen wenden sich die Hilfsangebote der Alimaus?

Herbert Wolf: In Hamburg leben zurzeit etwa 2 500 Menschen auf der Straße. Die Alimaus ist offen für alle. Zu uns kommen auch Menschen, die anderswo abgewiesen werden. Unsere Hauptaufgabe ist es, Menschen, die auf der Straße leben, und andere Bedürftige zu beköstigen und ihnen einen Raum zur Begegnung zu bieten. In den Räumen der Alimaus werden die Bedürftigen als willkommene Gäste begrüßt. Wir legen Wert darauf, eine einladende Atmosphäre zu schaffen. Deshalb stehen auf den Tischen auch immer frische Blumen. Und wir wissen aus vielen Gesprächen, dass unsere Gäste das auch schätzen. Daneben bieten zwei ehrenamtliche Ärzte medizinische Hilfe an, und in der Kleiderkammer können sich die Menschen kostenfrei neu einkleiden. Dazu haben wir noch eine Dusche, die von einer Krankenschwester betreut wird und die von den Obdachlosen sehr oft genutzt wird.

Katholisch in Hamburg: Welche Aufgaben haben Sie als Seelsorger für Obdachlose?

Herbert Wolf: Ich habe Zeit und bin einfach da. Die Menschen kommen und erzählen mir ihre Geschichte, reden über ganz alltägliche Dinge wie Beziehung, Krankheit, Sterben oder auch über ihre Freuden und Sorgen. Sie kommen, weil sie in ihrem persönlichen Umfeld oft keine Vertrauensperson haben. In den Gesprächen geht es auch um religiöse Themen. Ich habe erfahren können, dass die Not beten lehrt. Im Bibelkreis kommen oft Antworten, auf die wäre ich selbst nie gekommen. Da sagt zum Beispiel einer: „Seitdem ich mich vor vielen Jahren bekehrt habe, weiß ich, dass Gott mich an die Hand nimmt und mich begleitet. Und damit das klappt, lese ich mit euch die Bibel.“ Daneben vermittele ich bei Bedarf weitere Hilfen. Ich weiß, dass wir mit unseren Angeboten nicht die Welt retten können; aber wenn zum Beispiel ein Mann, der gerade drei Paar frische Socken bekommen hat, einen glücklich anlächelt und sich herzlich bedankt, dann erfüllt dieses Gefühl den ganzen Raum.

Katholisch in Hamburg: Wie kann man die Arbeit der Alimaus unterstützen?

Herbert Wolf: Wir suchen aktuell Ehrenamtliche für die verschiedensten Bereiche wie die Essenausgabe, die Kleiderkammer oder für die Logistik. Sicherlich ist in der Alimaus nicht alles immer ganz einfach, aber man bekommt für sein Mitmachen sehr viel geschenkt: lächelnde Gäste, Dank und Wertschätzung und das Gefühl, etwas wirklich Gutes getan zu haben. Außerdem sind wir auf Spenden angewiesen. Lebensmittelspenden bekommen wir zurzeit genügend, doch Kleiderspenden und vor allem Geldspenden sind herzlich willkommen.

Weitere Informationen:
www.alimaus.de
Hilfsverein St. Ansgar e. V.
Nobistor 42
22767 Hamburg
Telefon (040) 317 95-759