Erfahrungen, die die Seele berühren

Josma Rodrigues möchte ihre Glaubenserfahrungen mit anderen jungen Menschen teilen.

Josma Rodrigues (26) kommt aus Indien,  lebt seit drei Jahren in Hamburg und hat vor Kurzem ihr Studium der Umwelttechnik beendet. Sie engagiert sich bei mehreren geistlichen Angeboten für junge Leute und hat zum Beispiel die Gruppe „Jesus  Youth“, die sich jeden letzten Sonntag im Monat um 14 Uhr im Kleinen Michel trifft, mit ins Leben gerufen.

Katholisch in Hamburg: Welche Unterschiede zwischen der Kirche in Indien und Deutschland haben Sie erlebt?

Es gibt große kulturelle Unterschiede. In Indien gehen junge Leute zwischen 18 und 30 ganz selbstverständlich in die Kirche. In Hamburg trifft man in den Kirchen kaum junge Leute. Am Anfang habe ich noch gedacht, vielleicht kommen die Jungen noch, aber ich habe immer nur Menschen mit weißen Haaren gesehen. Ich habe auch oft eine große Distanz zwischen Alten und Jungen gespürt, doch andererseits auch erfahren, dass ein Lächeln viel bewirkt und zeigt: „Ich gehöre auch zur Kirche.“

Katholisch in Hamburg: Welche geistlichen Angebote sprechen jungen Leute an? 

Wir brauchen Austausch, gemeinsame Erfahrungen und das Wissen, dass wir in der Kirche nicht allein sind. Uns ist es wichtig, wie wir über Gott reden: Viel mehr als abstrakte Themen inspirieren uns Zeugnisse, die zeigen, wie Jesus sich konkret in schwierigen Situationen verhalten hat, und Menschen, die lebendig davon erzählen, wie sie den Glauben im Alltag leben. Außerdem wollen wir das „Warum“ hinter unserer Glaubenspraxis verstehen. Wenn ich beispielsweise verstehe, was für eine Erleichterung meine Seele während der Beichte erfährt oder wie Jesus während der Messe seinen Leib mir voller Liebe schenkt, bin ich auch inspiriert zu beten oder zur Kirche zu gehen.

Katholisch in Hamburg: Was verbirgt sich hinter dem Angebot „Jesus Youth“ im Kleinen Michel?

Die Bewegung „Jesus Youth“ kommt ursprünglich aus Indien und ist mittlerweile in 30 Ländern verbreitet. Der Schwerpunkt liegt auf der Evangelisierung der Jugend. Wir verwenden Musik, Theater, Gespräche, Gruppenaktivitäten, um über Jesus zu sprechen. Im Kleinen Michel feiern wir Weihnachten und Ostern auf besondere Weise. Zu Weihnachten sind wir beispielsweise zu Obdachlosen auf die Straße gegangen, um ihnen Essen, Getränke, Pullover usw. zu geben. Diese Erfahrung war für uns sehr berührend. Das Angebot ist offen für alle. Jesus lädt alle ein, besonders diejenigen, die sich verloren, gebrochen und hilflos fühlen. Diese Erfahrungen habe ich selbst gemacht. Ich hatte eine schwierige Jugend und war immer auf der Suche, auf Partys mit Alkohol und auch mit Drogen. Doch die Leere blieb immer da, bis ein Priester mir sagte, „Jesus liebt dich sehr, egal wie schwer es für dich ist, es zu glauben, und was auch immer du in deinem Leben bisher getan hast. Öffne einfach  dein Herz für ihn.“ Und genau das habe ich durch die Begegnung mit Christus erfahren. Es war, als hätte er meine Seele berührt – ich war zu Tränen gerührt. Dadurch hat sich mein ganzes Leben verändert. Natürlich gibt es schwere Zeiten im Leben, aber ich weiß: „Er ist immer da.“

Katholisch in Hamburg: Was wünschen Sie sich für die jungen Leute heute?

Das Leben ist für uns junge Leute immer im Übergang: Auslandsaufenthalte, Studien- und Berufsphasen, die Frage, wozu man berufen ist. Es ist eine Zeit, wichtige Entscheidungen zu treffen, die unser gesamtes Leben beeinflussen. Dazu kommen die Ereignisse in der Welt, die uns sprachlos machen, und oft auch Einsamkeit. Ich würde mir wünschen, dass in solchen Fällen immer mehr junge Menschen die Liebe Jesu auf sehr persönliche Weise erfahren würden. Wenn man weiß, dass Gott uns auf unserem Weg begleitet, dann kann es auch Frieden geben.