Die Frau vom Dom

Astrid Sievers

Mitten in St. Georg, nahe der geschäftigen Langen Reihe arbeitet Astrid Sievers als Gemeindereferentin und Trauerbegleiterin am St. Marien-Dom in St. Georg. Auch wenn viele Hamburger immer noch überrascht davon sind, dass es einen Dom in Hamburg gibt, der nichts mit dem Volksfest zu tun hat, so ist der St. Marien-Dom doch auch Anlaufpunkt für viele ganz unterschiedliche Menschen.

katholisch in Hamburg: Welchen Menschen begegnen Sie am St. Marien-Dom?

Astrid Sievers: Rund um den Dom begegne ich täglich den unterschiedlichsten Menschen: Für Touristengruppen, Gläubige aus allen Teilen des Bistums, Familien und Bewohner aus dem Stadtteil ist der Dom ein wichtiger Anlaufpunkt. Wann immer ich Zeit habe, gehe ich auf die Menschen zu, suche das Gespräch und zeige ihnen bei Interesse die Kirche und die Krypta mit dem Kolumbarium. Viele nehmen das Angebot gern an und freuen sich, darüber etwas über die Kirche zu erfahren. Viele Kontakte zum Beispiel in den Stadtteil hinein entstehen erst durch diese persönliche Begegnung. Was ich in meiner Zeit am Dom auch erfahren habe: Am St. Marien-Dom habe ich als hauptamtliche Mitarbeiterin unter den vielen Männern eine besondere Stellung. Einmal sprach mich mitten in der Stadt eine Frau an, die mich begrüßte mit den Worten: „Ich kenne Sie, Sie sind doch die Frau vom Dom.“

katholisch in Hamburg: Was überrascht die Menschen, die den St. Marien-Dom besuchen?

Astrid Sievers: Der Dom an sich ist überraschend schlicht und schön. Welchen Goldschatz wir aber mit dem Kolumbarium, der Urnengrabstätte, bei uns im St. Marien-Dom haben, das wissen viele Menschen gar nicht. 2012 wurden 1.500 Bestattungsplätze in der Krypta des Domes eingerichtet. Seitdem finden Menschen dort ihre letzte Ruhestätte, und die Angehörigen haben einen Ort für ihre Trauer und ihr Gedenken. Die Gestaltung des Raumes ist so beeindruckend, dass ich, wenn ich mit den Menschen das Kolumbarium besuche, sehr oft ein überraschtes und begeistertes „Oh“ zu hören bekomme. Durch den Besuch dieses Ortes kommt man mit den Menschen ganz unweigerlich auf Themen zu sprechen, die sonst oft nicht zur Sprache kommen, wie Vorsorge, Bestattungsformen, Beerdigung oder Fragen über das „Danach“ und die christliche Hoffnung. Durch das Totengedenken, zu dem wir seit 3 Jahren alle Trauernden regelmäßig einladen, hat sich so etwas wie eine eigene Gemeinde gebildet. Zwei ehemalige Kollegen, die beide Witwer wurden, haben sich hier nach vielen Jahren überraschend wiedergetroffen.

katholisch in Hamburg: Erleben Sie bei Ihrer Arbeit auch selbst überraschende Begegnungen?

Astrid Sievers: Immer wenn es persönlich wird, können überraschende Begegnungen entstehen. Beim Sommersegen, den wir vor der Urlaubszeit spenden, erlebe ich Familien und Einzelpersonen, Paare und Freunde, die sich nach diesem äußeren Zeichen des Segnens, dem Handauflegen und dem Zuspruch regelrecht sehnen. Mich überrascht es immer wieder, wie offen die Menschen dafür sind und welches Vertrauen sie uns entgegenbringen. Einmal hat mich ein Mann nach dem Sommersegen gefragt, ob er mich auch mal in den Arm nehmen darf. Solche Begegnungen sind überwältigend. Immer für eine Überraschung gut sind die Begegnungen mit Menschen aus dem Stadtteil St. Georg, die erstmal nichts mit Kirche zu tun haben. So haben wir einmal mit einer Gruppe aus Anlass des Segensabends „behütet und gesegnet“ eine Hutmacherin im Stadtteil besucht. Sie hat einen Beruf, eine Berufung, die sich um das BEHÜTEN von Menschen kümmert, und so konnte sie uns eine Menge dazu erzählen. Es wurde eine überraschende und bereichernde Begegnung für beide Seiten. Zum Segen und Ausklang kam sie sogar mit in den Dom.

Informationen: Jeweils am ersten Freitag eines Monats findet um 15 Uhr eine kurze Andacht für die Verstorbenen statt. Beginn ist am Taufbecken im St. Marien-Dom. Auf Wunsch stehen die Verantwortlichen anschließend zum Gespräch bereit. Die Gemeindereferentin Astrid Sievers bietet bei Interesse Führungen zum Kolumbarium an: Telefon (040) 284 99 07-14; gemeindereferentinsievers@mariendomhamburg.de