Ein Moment der Gemeinsamkeit

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Monika Stein leitet die katholische Telefonseelsorge in Hamburg

Die Diplompsychologin Monika Stein leitet die katholische Telefonseelsorge in Hamburg, die 2013 ihren Dienst aufgenommen hat. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Telefonseelsorge sind rund um die Uhr kostenlos und anonym unter der Seelsorgenummer 0800 111 0 222 zu erreichen. Anrufende finden dort ein offenes Ohr bei ausgebildeten ehrenamtlichen Gesprächspartnern. Aktuell werden bei der katholischen Telefonseelsorge 12 Ehrenamtliche ausgebildet, weiterhin befinden sich 34 Mitarbeiter schon im Dienst am Telefon. Sie werden supervisorisch begleitet und nehmen an internen Weiterbildungen teil.

Was leistet die Telefonseelsorge?

Die Telefonseelsorge ist keine Beratungsstelle, sondern ein seelsorgerliches Angebot für Menschen, die in für sie schwierigen Lebenssituationen das Gespräch suchen. Wir sind ansprechbar, wenn es für einen Menschen nicht weitergeht, wenn keiner Zeit hat, wenn ein Geheimnis ihn bedrängt. Unser Dienst ist an 365 Tagen 24 Stunden bundesweit besetzt. Die Telefonseelsorger sind da, um das, was den Anrufer belastet, mitzutragen und einen kleinen Schritt mit ihm zu gehen; um einen Moment der Gemeinsamkeit und des Teilens für den Anrufenden erlebbar zu machen.

Mit welchen Themen melden sich die Anrufer?

In den 60 Jahren unseres Bestehens hat sich das ursächliche Thema „Suizidprävention“, also die Begleitung von Menschen, die keine Perspektive mehr für sich sehen, bis hin zum Gespräch mit Angehörigen, Kollegen etc. um viele Inhalte erweitert. Einsamkeit und gesellschaftlicher Druck gehören zu den Lebensthemen in unserer Gesellschaft der Individualisten. Zu Weihnachten kommt es häufig vor, dass Menschen ihre Belastungen besonders intensiv erleben und dann bei uns anrufen. Verstärkt wird die Situation dadurch, dass um die Feiertage herum viele Institutionen geschlossen haben. Doch das Thema Einsamkeit begleitet uns das ganze Jahr hindurch. Anrufer, die den Seelsorgern erzählen: „Sie sind der erste Mensch, mit dem ich heute spreche“, sind keine Seltenheit.

Wer kann sich bei der Telefonseelsorge engagieren?

Telefonseelsorge bietet ein Gespräch „auf Augenhöhe“ an. Ehrenamtliche müssen über 25 Jahre alt sein und sollten Offenheit und Neugierde für sich und andere Menschen mitbringen. Außerdem sollten sie Freude an der Sprache haben.

Was ist bei der Arbeit besonders wichtig?

Eine wichtige Säule der Telefonseelsorge ist Anonymität: Die Ratsuchenden werden nicht nach ihrem Namen gefragt und auch die Telefonseelsorger bleiben anonym und unterliegen der Schweigepflicht, auch außerhalb ihres Dienstes. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich die Ehrenamtlichen in der Gruppe austauschen können und auch durch regelmäßige Supervision Unterstützung erhalten. Das Ehrenamt bei der Telefonseelsorge ist keine spontane Angelegenheit: Die Ehrenamtlichen werden nach einer neunmonatigen Gruppenphase über drei Jahre am Telefon zu bundesweit anerkannten Telefonseelsorgern ausgebildet. Die Ausbildung ist für sie kostenlos. Die ehrenamtlichen Telefonseelsorger verpflichten sich zu zwei Diensten (mit 4 Stunden) im Monat und zu vier Nachtdiensten im Jahr. In unserer Dienststelle haben Seelsorger_innen neben den Telefonaten auch die Möglichkeit, sich Kaffee zu kochen, zu entspannen und abzuschalten.


Die Katholische Telefonseelsorge sucht fortlaufend Freiwillige für die Ausbildung.

Kontakt:
Caritasverband für Hamburg e.V.
Monika Stein
Telefon: (040) 60 94 32 911/912
telefonseelsorge@caritas-hamburg.de