Was wäre die bessere Wahl?

Für Pater Philipp Görtz, Pfarrer am Kleinen Michel, ist „wählerisch“ zu sein eine spirituelle Haltung.

Der Jesuitenpater Dr. Philipp Görtz ist seit August 2017 der neue Pfarrer der Gemeinde Kleiner Michel in Hamburg. Seine Liebe zu Hamburg entdeckte er 2006, als er die Stadt zu Exerzitien besuchte. Er freut sich auf seine neue Aufgabe in der international geprägten Gemeinde. Philipp Görtz SJ war zuletzt Jugendkaplan in der Wiener Gemeinde Lainz-Speising. Zuvor war er Internatsleiter in St. Blasien und fünf Jahre als Kollegsseelsorger am Aloisiuskolleg in Bonn-Bad Godesberg tätig.

katholisch in Hamburg: Welche Bedeutung hat der Begriff „wählerisch“ für Sie?

Pater Görtz: „Wählerisch zu sein, das ist für mich als Jesuit eine spirituelle Haltung. Auf meinem Lebensweg stehe ich immer wieder vor der Herausforderung, bewusst eine Wahl zu treffen. Dabei soll ich nicht „pingelig“ sein und auch nicht einfach nur nach Lust und Laune handeln. Meine Aufgabe ist es, genau hinzuschauen und mich zu fragen: Welche Alternativen bieten sich mir? Welche Möglichkeiten tun sich auf? Wie gelingt es mir, bei meiner Entscheidung nach dem Willen Gottes zu fragen? Was wäre in seinen Augen die bessere Wahl, für mich und meine Mitmenschen, für meine Familie, meine Gemeinde? Diese Fragen helfen mir bei der ‚Unterscheidung der Geister‘. Wenn sich dann innerer Trost einstellt und ich eine innere Freiheit verspüre, kann ich eine gute Wahl treffen.“

katholisch in Hamburg: Am 24. September 2017 ist Bundestagswahl. Wie wichtig ist es, das Wahlrecht wahrzunehmen?

Pater Görtz: „Oft steht heute der Begriff desRechts im Mittelpunkt, etwa wenn es um das Wahl-Recht, die Menschen-Rechte oder um das Recht zur freien Meinungsäußerung geht. Komplementär zum Recht steht allerdings die Pflicht. Ich meine, als Christen haben wir eine gewisse innere Verpflichtung, zu wählen und die eigene Stimme abzugeben. Jeder Mensch sollte ein Interesse daran haben, zu wählen bzw. zu entscheiden, an wen Macht delegiert wird. Jeder ist aufgefordert sich zu engagieren, seine Meinung offen zu äußern. Es genügt nicht, sich ins Private zurückzuziehen. Und ich halte es für mehr als bedenklich, wenn an Stammtischen oder anderen Orten bloß Stimmung gemacht wird.“

katholisch in Hamburg: An welchen Kriterien sollte sich eine gute Wahlentscheidung festmachen?

Pater Görtz: „Christen müssen nicht in erster Linie jemand Frommen wählen. Wichtiger ist, zu fragen, welches Menschenbild hinter dem jeweiligen Parteiprogramm steht: Wie hält es eine Partei oder ein Kandidat mit der Freiheit, wie mit der Würde des Menschen oder mit dem Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit und für die Bewahrung der Schöpfung? Und wem keine der Parteien wählbar scheint, der hat in einer Demokratie immer noch die Möglichkeit, sich selbst zu engagieren und sich mit anderen zusammenzuschließen.“