Miteinander im Gespräch bleiben


Pater Thomas Ferencik ist Leiter der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) in Hamburg. Die KHG ist keine geschlossene Gemeinschaft. Sie ist offen für Menschen und Kulturen. Studierende oder Auszubildende, die Interesse an einem spirituellen Gemeinschaftsleben haben, können vorbei kommen und schauen, ob die Gemeinde für sie etwas ist. Die KHG trifft sich immer mittwochs um 19 Uhr in ihren Räumen in der Sedanstraße. Daneben organisiert sie aktuelle Veranstaltungen zu einem Semesterthema und plant gemeinsame Aktionen und Ausflüge. Gemeinsam mit der evangelischen und der islamischen Hochschulgemeinde fühlt sich die KGH auch für den interreligiösen Raum der Stille an der Uni Hamburg verantwortlich. Den heutigen Raum hat Pater Thomas mit anderen Vertretern vor 14 Jahren erkämpft, obwohl Räume knapp waren.

Katholisch in Hamburg: Welche Schwerpunkte setzt sich die KHG für das kommende Semester?

Wir versuchen immer ein Thema zu finden, das für uns besonders aktuell ist. Für das kommende Semester haben wir uns für den Schwerpunkt „Frauen in der Kirche“ entschieden. Zwei Veranstaltungen, die bereits feststehen, sind ein Gesprächsabend am 6. Mai mit Vertretern und Vertreterinnen aus dem Erzbistum Hamburg und von der Protestbewegung Maria 2.0 und am 10. Juni ein Abend mit der Autorin Christiane Florin über ihr Buch „Der Weiberaufstand: Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen“. Interessierte sind herzlich willkommen.

Katholisch in Hamburg: Warum ist ein interreligiöser Raum der Stille an der Uni Hamburg wichtig?

Wir, das heißt die evangelische, die islamische und die katholische Hochschulgemeinde sehen den interreligiösen Raum der Stille als gemeinsamen Ort, für den wir uns verantwortlich fühlen. Der Raum der Stille wird regelmäßig von verschiedenen Menschen und Gruppen genutzt. Die Hauptgruppe sind sicherlich die muslimischen Studierenden. Wir als KHG haben eine Kapelle und eigene Räume, deshalb ist der Raum der Stille als Treffpunkt für uns weniger wichtig.

Er hat aber eine andere wesentliche Bedeutung: In jeder Stadt gibt es ein spirituelles Zentrum. Die Universität Hamburg ist mit ihren 40000 Studierenden eine kleine Stadt. Die Studierenden bringen ihre Religion und ihren Glauben mit und brauchen manchmal einen Raum, an dem sie zur Ruhe kommen und ihren Glauben leben können. Außerdem dient der Raum auch dem Zweck, dass wir als Religionen dort zueinander finden und miteinander im Gespräch bleiben.

Katholisch in Hamburg: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen den Religion an der Uni Hamburg zurzeit?

Nach wie vor finden gemeinsame Aktionen und Treffen statt, wie zum Beispiel am 24. Juni, an dem wir uns zum Friedensgebet im Raum der Stille treffen werden und im Anschluss grillen und gemeinsam Fußball gucken. Wichtig ist uns außerdem, immer wieder als Hochschulgemeinden gemeinsam Stellung zu beziehen. Wenn wir zum Beispiel der Meinung sind, dass die Uni Hamburg kaputt gespart wird, finden wir uns zusammen und sprechen mit einer gemeinsamen Stimme. Die Zeiten, in denen wir den Tag der Religionen groß und öffentlich auf dem Campus gefeiert haben und unter anderem auch den Präsidenten der Uni bei uns zu Gast hatten, sind allerdings vorbei. Ob wir heute noch einmal die Genehmigung für einen interreligiösen Raum der Stille bekommen würden, wage ich zu bezweifeln. Umso froher sind wir, dass wir ihn haben.

Kontakt:
KHG Hamburg, Sedanstraße 23
Telefon: (040) 44 50 66 880, info@khg-hamburg.de
www.khg-hamburg.de

Gemeindeabend, jeden Mittwoch auch in der vorlesungsfreien Zeit. Beginn: 19 Uhr mit der Messe, anschließend gemeinsamer Abend